Blogger-Tipp

Mission Gelato: Auf der Suche nach dem besten Eis in Augsburg

Ein Artikel von "Schlaraffenwelt"

Blogger David Seitz von Schlaraffenwelt ist für uns mit dem Regio-Ticket auf Entdeckungsreise gegangen:

Es ist der lang ersehnte erste richtig warme Tag. 27 Grad im Schatten, selbst der stets adrett gekleidete Rentner vom Balkon gegenüber hat bereits gegen 11 die Hosenbeine hochgekrempelt. Vom Flaucher ziehen die Rauchschwaden gen Stadtmitte, Menschen flanieren mit viel nackter Haut. Es sommert in München. Doch heute zieht es mich raus aus der Stadt. Den vollgestopften Englischen Garten erspar‘ ich mir, an der Isar hätte ich mein Handtuch vermutlich schon gegen acht Uhr morgens platzieren müssen, um noch in Premium-Lage den Tag am Ufer verbringen  zu können. Ein Sonntag, der wie gemacht ist, mal ins Münchner Umland zu fahren. Augsburg. Keine 70 Kilometer weg, doch in den 5 Jahren, die ich jetzt hier lebe, hab‘ ich es noch nie hin geschafft. Schön soll’s sein dort, hab ich mal gehört. Mehr weiß ich nicht über die Fugger-Stadt und mit niedriger Erwartungshaltung zu reisen führt oft zu überraschend herrlichen Momenten. So auch heute.

Die Deutsche Bahn schickt mich auf Bayern-Entdeckungsstour. Mein Ziel heute ist Augsburg. Clever ist, wer auf einem Bayern-Trip Freunde mitnimmt und sich das Regio-Ticket der Deutschen Bahn holt. Je mehr Personen mitfahren, desto günstiger wird die Reise. Im Fünfer-Team bezahlt jeder nur noch 8,80 Euro – für beliebig viele Fahrten im Gültigkeitsbereich. Sprich: Ein Tagestrip in die Donau-Isar-Region, nach Werdenfels oder in Richtung Nürnberg wird plötzlich zum Schnäppchen. Für Zugroaste wie mich, die das Münchner Umland erst jetzt allmählich entdecken, eine ideale Option. All jene, die Bayern bereits in- und auswendig kennen, können zu unschlagbaren Preisen ihre Lieblingsziele ansteuern, mit einem Rudel Freunde im Schlepptau. Alle Informationen zum Regio-Ticket und Inspirationen für Bayern-Entdecker hat die Deutsche Bahn hier zusammengestellt. Heute führt mich mein Tagestrip in Richtung Allgäu-Schwaben. Der Regio-Express schweift durch gelbe Rapsfelder und wohlklingende Orte wie Kissing – echte Quality-Time mit Musik im Ohr. Vorsorglich habe ich mir ortskundige Begleitung eingeladen, sodass ich mir nervige Navi-Ansagen aus meinem Handy sparen kann. Ein großes Glück.

Erste Station: Das Sonnendeck. Die Dachterasse eines Parkhauses, von unten nicht erkennbar, doch oben ganz großes Kino. Wo im Winter Autos parken, wird im Sommer Sand aufgeschüttet. Der Aufzug katapultiert uns hoch über die Dächer der Stadt in einen genialen Mix aus Strand- und Rooftop-Party. Nur eine stört mittlerweile: Die Sonne. Sie prügelt so erbarmungslos auf unsere Haut ein, dass uns Schweißbächlein und ein leichter Rotstich schon nach einer knappen Stunde zum Weiterziehen treiben. Abends, denke ich mir, muss das der Hotspot schlechthin sein. Um 16 Uhr an einem Tag wie heute ist es leider viel zu heiß. Wir haben eine andere Mission. Eis muss her. Und zwar nicht irgendein Eis, sondern bitte gleich was Besonders. Wir nehmen uns vor, das beste Eis der Stadt zu finden. Oder vielleicht eher das extravaganteste? Mich gelüstet es nach Sorten, die ich noch nie gegessen habe.

Wir lassen uns leiten von kleinen Menschenströmen, durch die wirklich charmanten Gassen der Augsburger Altstadt. Vorbei am Rathaus über kleine Brücken, durch die sonntagsbedingt menschenleere Einkaufsmeile und landen bald am Eis Santin: Eine kleine Eisdiele, deren Reiz in diesem Moment eher von der Menschenschlange als von der Fassade des Ladens ausgeht. Besonders hip wirkt das kleine Eiscafé auf den ersten Blick nicht. Und auch auf den zweiten nicht. Die Sortenpalette umfasst zwar alle Klassiker, allerdings ohne besonders kreative Auswüchse. Das Höchste der Gefühle ist das Käsekuchen-Eis. Eine Kugel davon nehme ich mir mit. Ich bin zufrieden, aber nicht überwältigt. Zumindest kühlt es gut. Toll sind die kleinen Knusperstücke zwischen der zitronigen Creme. Ich frage mich immer wieder, wie man inmitten einer nassen Eismasse diese knusprige Konsistenz aufrecht erhalten kann. Fazit: Solide, aber da ist noch Luft nach oben auf unserer Mission.

Station zwei versöhnt mich schnell mit der leichten Enttäuschung zum Auftakt. Das Café Tutti Frutti punktet zwar nicht mit dem innovativsten Namen der Welt, dafür aber mit einer spannenden bis kuriosen Auswahl an Sorten. Pistazie, Mandel mit einem Hauch Zitrone. Granatapfel. Mango, Maracuja, Guave, Kokos Limette (alles in einer einzigen Sorte). Und dann noch dieses traumhafte Karamelleis mit Fleur de Sel. Mit dicken Karamell-Stücken und einer ganz dezenten Salznote wird am Ende des Tages zum Aroma-Sieger aller getesteten Sorten avancieren. Aber auch der „Brasilian Dream“ schmeckt angenehm ungewöhnlich mit vielen kandierten Limetten und eingebautem Südsee-Flair. Ein bisschen wie ein exotischer Cocktail in Eisform. Auch die Lage des Tutti Frutti in einem unbelebten Pflasterstein-Gässchen gefällt mir. In diesem Moment glaube ich, meine Eis-Erfüllung für heute gefunden zu haben. Doch Sie werden nicht glauben, was dann passierte.

Mittlweile hat die Sonne eine erträgliche Intensität erreicht. Betäubt durch einen kleinen Kälteschock von sehr viel Eis, streunen wir am Dom entlang, passieren eine kleinen Surfer-Welle und landen schließlich am Moritzplatz. Der Eishunger ist eigentlich gestillt, doch dann fällt mein Blick auf eine unscheinbare Tafel an einer kleinen Eis-Vitrine am Eck. Und diese Tafel ist – ohne zu übertreiben – mit das Verlockendste, was ich in Sachen Eis seit langem gesehen habe. Witzigerweise steckt hinter dem kreativen Erguss keine italienische Gelateria, sondern das Café Goldener Erker, das deutscher kaum klingen könnte. Aber wehret den Vorurteilen – kleiner Auszug gefällig?

Sauerrahm Cashew. Mandelmilch-Schwarzkirsche. Ananas-Thai-Basilikum. Himbeer-Sahnemousse und weiße Schokolade. Weinbergpfirsich-Joghurt. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, durchzuckt es mich wieder und ich bereue, dass ich nur die ersten drei der eben aufgelisteten Sorten probiert habe. Aber nach gefühlten acht Kugeln Eis, war das Limit dann leider erreicht. Sauerrahm Cashew überraschte mich dabei am meisten. Zwei Zutaten, die per se ja nicht zu den Geschmacksgranaten gehören, verbinden sich in diesem Eis zu einer milden, nussig-frischen Melange. Karamellisierte Nussstücke sorgen für einen schönen Crunch und wenn sich dann noch ein Hauch von der Nachbarkugel Schwarzkirsche mit auf den Löffel schummelt, ist das ganz große Eis-Emotion.

Das Eisglück im Kopf verdrängt das unheilsschwangere Bauchgefühl, als ich mich langsam auf den Weg Richtung Bahnhof mache. Die Abendsonne begleitet mich und die 10 Minuten Fußweg sind in diesem Moment sehr willkommen. Ich bin mehr als überrascht von dieser Stadt. Nicht nur vom famosen Eis-Erlebnis, sondern auch von den beschaulichen Gassen, dem vielen freien Raum, den man in der Münchner Innenstadt vergeblich sucht. Die Menschen seien bei dem Wetter an den Seen im Augsburger Umland, habe ich mir sagen lassen. Gut zu wissen! Denn noch warten da am Moritzplatz einige Eis-Sorten darauf, getestet zu werden. Schon im Zug nach Hause schweifen meine Gedanken dorthin zurück. Weiße Vanille Maracuja…

Mehr kulinarische Entdeckungsreisen von Schlaraffenwelt finden Sie hier

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