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Zeitreise mit der Deutschen Bahn – Sketching in Rothenburg ob der Tauber

Ein Artikel von "Der Schlüssel zum Glück"

Ach wie schade…. der Sommer neigt sich dem Ende und so richtig Urlaub haben wir dieses Jahr gar nicht gemacht. Einfach keine Zeit…. zu viel Stress auf der Arbeit. Aber ihr kennt das sicher, wenn es dann eben doch in den Fingern juckt und man zunehmend nervöser wird, weil man raus will aus dem Alltagstrott. Vielleicht nur für kurze Zeit, aber raus! Einfach raus und was anderes sehen und erleben. Genau das haben wir dann auch gemacht, meine beste Freundin Chrissy und ich. Wir haben uns einen Tag frei geschaufelt. Einen Freitag… einfach unter der Woche… und sind in den Zug gestiegen.  Die DB Regio macht’s möglich: einfach mal raus!

Das Bayern-Ticket ist ja ein alter Bekannter für uns Bayern…. äh Franken(!). Wir sind schon früher für Tagesausflüge nach Nürnberg, Würzburg oder Bamberg mit diesem Ticket in den Zug gestiegen, waren Shoppen oder Eisessen oder was man eben sonst so tut an einem herrlich sonnigen Ferientag.  Also warum sollten wir das nicht mal wieder tun. Dieses mal ging es in eine der wohl romantischsten Städtchen Deutschlands: Rothenburg ob der Tauber.

Viele tolle Reiseziele und Tipps für eure Bahnfahrt findet ihr übrigens hier 

Morgenstund hat Gold im Mund: Die Reise beginnt um 9:00

Mit dem Bayern-Ticket von Coburg nach Rothenburg – wer Erfahrung mit dieser Art zu Reisen hat, der weiß bescheid: Wochentags geht’s ab 9 Uhr los. Noch schnell die Reisenden namentlich auf dem Ticket eintragen und schon können wir in den roten Regional-Express steigen. Drinnen gibt’s erst einmal mitgebrachtes Frühstück. So gestärkt beginnt die Tagesplanung. Wir kramen den Stadtführer raus und überlegen: Was wollen wir heute eigentlich genau unternehmen? Umsteigen müssen wir nur in Bamberg, Würzburg und schließlich noch einmal in Steinach bei Rothenburg. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto deutlich wird, dass unser Ziel ein Touristenmagnet ist. Die Mitreisenden sprechen die unterschiedlichsten Sprachen. Japaner, Amerikaner, Italiener – alle sind vertreten. Zum Glück ist unter der Woche nicht so viel los. Der Zug nach Rothenburg ist sogar nur ein Pendelzug: Von Steinach nach Rothenburg ob der Tauber und wieder zurück. Rothenburg ist wohl wirkliche in sehr beliebtes Reiseziel.

Eine Reise in eine andere Zeit

Vom Bahnhof haben wir nur einen kurzen Fußmarsch vor uns und schon stehen wir vor dem großen Stadttor. Wir fühlen uns direkt zurückversetzt in eine andere Zeit, wäre da nicht das Auto, das gerade über die hölzerne Brücke rumpelt, die den Stadtgraben überspannt. Wahnsinn! Das ist ja schöner als wir es uns vorgestellt hatten!

Wir betreten den mittelalterlichen Stadtkern Rothenburgs durch eines der vielen Stadttore und sind direkt verzaubert: Kopfsteinpflaster, Fachwerk, kleine Läden, gemütliche Cafe’s und nichts deutet darauf hin, dass wir uns noch immer im 21. Jahrhundert befinden. Hach ist das erholsam! Wir schlendern die breite Gasse entlang, stöbern in einem kleinen Laden (Ui, da gibt’s tolle Notizbücher… ich nehm’ eins mit!). Vor allem die vielen Metallschilder die an den Fassaden der Läden hängen beeindrucken uns. Ganz alte sind dabei, aber auch neue, die sich einfach toll ins Stadtbild einfügen.

Mittelalterliches Kleinod über der fränkischen Tauber

Und schließlich stehen wir wieder vor einem Stadttor. Der innere Stadtring – und dieses Bild kommt uns bekannt vor: Es prangt auf unserem Stadtführer. Doch in echt ist es tausendfach schöner und verleitet mich dazu an diesem Tag erstmals mein Skizzenbuch aus der Tasche zu ziehen. Jetzt bin ich im Kurzurlaub angekommen: Zeit zum Zeichnen. Mit ein paar flotten Strichen entsteht das Stadttor auf Papier. Einige Leute bleiben stehen und schauen mir über die Schulter. Alle haben Zeit und sind entspannt. Wie schön! Die Bilder in diesem Beitrag sind übrigens alle von Chrissy. Ich hab nur gezeichnet. Schließlich schlendern wir weiter…

Sonne, Eis und Architektur die verzaubert

Wir freuen uns wie kleine Kinder über den Seifenblasen pustenden Bären über einem Spielzeugladen, knuddeln Plüschtiere, und lassen uns schließlich in einem Cafe am Markt nieder. Es gibt Eisschokolade und Iced Chai latte. Der Tag ist herrlich! Die Sonne scheint und wir haben frei! Der Stift fliegt wieder über das Papier. Dieses Mal entsteht die Renaissance-Fassade des Rathauses. Wir haben beschlossen an einer der täglich um 11:00 und 14:00 stattfindenden Stadtführungen teilzunehmen. Wir lassen es uns gut gehen bis 14 Uhr ist noch ein wenig Zeit. Wir schlürfen an unseren kalten Getränken und genehmigen uns schließlich noch eine Rothenburger Spezialität: Schneeballen! Gott sind die Lecker! Plätzchenteig mit diversen Füllungen: Schokolade oder Erdbeer oder Kokos… da ist für jeden etwas dabei. Wir sind echte Naschkatzen und freuen uns über Schoko und Keks in der Sonne.

Die Stadtführung ist genau das richtige für den Erstbesuch

Kurz vor 14 Uhr steht schon eine Dame mit einem großen Schild “Stadtführung” auf den Rathaustreppen. Wir löhnen eine geringe Gebühr und schon kann es losgehen. Mit einigen weiteren Besuchern der schönen Stadt lernen wir Rothenburg ob der Tauber besser kennen. Wir erfahren viel über die Stadtgeschichte, diverse Erweiterungen der Stadtmauer, über den ehemaligen Reichtum und die Bedeutung der Stadt oberhalb der Tauber. Erfahren, wie der Altbürgermeister einer Sage nach die Schweden dazu überreden konnte die Stadt im 30 jährigen Krieg in Frieden zu lassen. Schon sehr früh war Rothenburg eine touristische Stadt. Der mittelalterliche Kern diente vielen Künstlern als Vorlage für großartige Werke – ich kann’s verstehen. Selbst die Zerstörung durch einen Bombenangriff im 2ten Weltkrieg hat die Stadt Dank vieler Spenden für den Wiederaufbau gut überstanden. Es ist einfach großartig durch die Gassen zu laufen – auf Zeitreise!

Beim Zeichnen entspannen – Was du dazu brauchst

Nachdem wir die nette Dame von der Stadtführung mit Applaus verabschiedet haben und uns in einem der vielen fränkischen Lokale eine Stärkung gegönnt haben  bliebt noch ein wenig Zeit zum Zeichnen ehe die Sonne untergeht und wir die Rückreise antreten. Ich setze mich einfach auf den Bordstein und lege los. Ich werde oft gefragt, wo ich das denn gelernt habe so schnell eine Szenerie auf  Papier zu bringen oder was ich dazu denn alles brauche. Die Antworten sind denkbar einfach:

Wie viele von euch ja wissen habe ich Innenarchitektur studiert – und  ja, natürlich habe ich im Studium Fassaden gezeichnet und Zeichnen an sich auch irgendwie gelernt. Allerdings war das auch schon früher ein Hobby von mir und gelernt habe ich es nur durch Übung. Man muss sich einfach trauen! Klar sehen die ersten Zeichnungen nicht so toll aus. Man wird nicht über Nacht zum Dürer oder Picasso. Wer genauer hinsieht, der kann auch erkennen, dass bei meinen Zeichnungen auch lange nicht alles stimmt. Das ist aber eigentlich egal. Ich will ja eine Stimmung einfangen. Wenn ich ein genaues Abbild haben möchte, dann greife ich zur Kamera. Und es ist ganz normal, dass man seine Werk selbst gar nicht toll findet…. ich find’ meine Zeichnungen in den meisten Fällen auch nicht sonderlich gelungen, dennoch kann ich gerne ein paar Tricks verraten:

Winkel und Größenverhältnisse bestimmen

Das geht ganz einfach mit dem Stift in Eurer Hand: Haltet den Stift in die Höhe vor euer Motiv. So könnt ihr ganze einfach den Stift als Linie nutzen die ihr zum Beispiel auf den Giebel eines Daches legt. Ihr könnt nun gut erkennen, in welche Richtung Linien fluchten und ihr könnt auch Längen grob vergleichen: Ist dieses Fenster wirklich breiter als das daneben? Einfach die Länge auf eurem Bleistift merken und vergleichen….

Unwichtiges weglassen

Das ist ganz wichtig denn oft will man zu sehr ins Detail gehen. Müssen es wirklich Blumen sein, die da vor den Fenstern des Fachwerkhauses blühen? Ihr müsst nicht jede Geranienblüte einzeln zeichnen. Eine Art Wolke vor dem Fenster erfüllt ihren Zweck vollkommen! Verliert euch nicht in Details, denn sonst werdet ihr den ganzen Tag an einer Skizze sitzen oder vorzeitig die Geduld verlieren. Eignet euch lieber einen schnellen Stil an der nicht zu Detailreich ist. Das ist für Unterwegs genau richtig.

Das richtige Skizzenbuch

… ist schwierig zu finden. Jahrelang hatte ich die tollsten Skizzenbücher. Mit Ledereinband, oder mit tollem 90 Gramm Papier. Ich hab mir in Rothenburg eines mit Funiereinband gekauft. Hach wie schön! Doch ich weiß heute: Das beste Skizzenbuch für unterwegs ist eines, das nicht zu schön ist. Denn in diesem Unterwegs-Buch überwiegen Skizzen, die später als “nicht so toll” abgestempelt werden. Ja, es sind Schätze enthalten. Aber eben nicht nur. Ich hab’ mich immer geärgert, wenn in dem tollen ledergebundenen Buch Zeichnungen waren, die nicht so gelungen sind. Bei meinen einfachen Heftchen von Moleskine, die  ich mittlerweile Nutze ärgert mich das alles nicht mehr. Sind die Bücher voll sehen sie auch oft ganz schön fleddrig aus. Egal. Das gehört dazu! Schließlich sind die guten Teile schon auf so mancher Reise dabei gewesen. Sie stecken immer in meiner Tasche. Da darf man schon ein wenig knittrig sein…

Unterschiedliches Zeichenmaterial für unterschiedliche Szenerien

Ich bin zwar ein großer Fan von einfachen schwarzen Linern, nichts desto trotz befinden sich in meinem Reisepaket auch andere Stifte, wie beispielsweise Bleistifte, Buntstifte, graue Marker und nicht zuletzt Pinsel und Aquarellfarben. Die mittelalterliche Silhouette Rothenburgs wirkt schon sehr schön in schwarz und weiß, doch für ein Blumenfeld im Park brauche ich ein wenig Farbe. Das Fachwerkhaus hätte ich vielleicht lieber mit dem Bleistift vorskizzieren sollen und das Stadtwappen auf dem Kanaldeckel kann ich nur mit einem weichen Bleistift durch rubbeln auf mein Papier übertragen. Für jede Situation braucht es das passende Werkzeug. Es gibt kein Allheilmittel. Eine kleine Auswahl meines Reisepakets seht ihr oben.

Wenn euch das Thema Skizze und Zeichnen interessiert, dann schreibt mir doch einfach einen Kommentar. Wenn Interesse besteht und ihr Fragen habt, dann kann vielleicht eine kleine Serie daraus werden. Vielleicht braucht ihr ein bisschen Motivation und ein paar grundsätzliche Ideen. Denn generell kann jeder zeichnen. Auch du! :)

Die Sonne geht unter – Wir machen uns auf den Heimweg

Als ich wieder aufstehe ist die Sonne schon im Begriff unterzugehen. Wir schlendern noch ein bisschen durch die Gassen, schießen noch ein paar Bilder, bis wir letztendlich wieder in Richtung Bahnhof laufen. Wir kaufen noch ein paar Souvenirs und wissen schon heute: Rothenburg hat noch mehr zu bieten – Wir kommen wieder!

Wir steigen wieder in den Zug. Wir sind geschafft vom vielen Laufen. Müde, aber glücklich. Am Bahnsteig in Würzburg schauen wir beim Warten auf unseren Anschlusszug der untergehenden Sonne zu. Was für ein schöner Tag mit der DB Regio!

 

Mehr von Der Schlüssel zum Glück finden Sie hier.

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