Ausflugstipp

Das Tucherschloss in Nürnberg

Treten Sie ein – und bestaunen Sie den ehemaligen Wohnsitz einer der reichsten Nürnberger Familien des Mittelalters.

Den Namen „Tucher“ haben Sie vielleicht schon einmal gelesen, etwa auf einer Bierflasche? „Tucher Bräu“ ist eine der größten Brauereien Nürnbergs, seine Ursprünge reichen bis in das 17. Jahrhundert zurück. Die Historie des Namens „Tucher“ geht allerdings noch weiter zurück:  Zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert galten die Tuchers als eine der wohlhabendsten und mächtigsten Handelsfamilien in Nürnberg. Ihr Vermögen gründete unter anderem auf dem Export von Eisenwaren und Gewürzen, später auch auf ihrem Erfolg als Braumeister. Sie regierten im Nürnberger Stadtrat und hatten erheblichen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung Nürnbergs im 19. Jahrhundert.

Noch heute kann man ihren Reichtum bestaunen: Das imposante Tucherschloss, das damalige repräsentative Tuchersche Anwesen mitten in der Nürnberger Altstadt, befindet sich noch immer im Familienbesitz, mittlerweile als Museum. Im zweiten Weltkrieg vollständig abgebrannt, wurde das Sandsteingebäude fast 20 Jahre lang rekonstruiert. Heute beherbergt das Tucherschloss eine beeindruckende Sammlung an hochkarätigen Kunstwerken und Exponaten aus der Zeit vom 15. bis 19. Jahrhundert wie Gemälde, Möbel oder Wandteppiche. Vieles davon stammt noch aus der ehemaligen Original-Innenausstattung des Tucherschlosses. 

Im Erdgeschoss, erwarten die Besucher die so genannten „Schatzkammern“. Hier hängen Kunstwerke von Weggefährten Albrecht Dürers, seines Lehrers Michael Wolgemut sowie seines Schülers Hans Schäufelein, – ebenso wie eindrucksvolle Kirchengemälde und Erinnerungstafeln. Ein Stockwerk höher, im ersten Obergeschoss, wohnte und lebte die Tucherfamilie. Noch heute finden Sie dort persönliche Gegenstände, prachtvolles Mobiliar sowie eindrucksvolle Gemälde der einzelnen Familienmitglieder, etwa das Portrait von Hans VI Tucher, gemalt von Micheal Wolgemut. Im zweiten Stock, der Repräsentationsebene, empfingen die Tuchers wichtige Gäste, Geschäftspartner und Abgesandte aus aller Welt. Gleichzeitig nutzten sie das Stockwerk für private Feierlichkeiten. Besucher bestaunen heute noch die eingedeckte Verlobungstafel, mit dem berühmten achtteiligen Tucherschen Gießgeschirr und der wertvollen „Doppelscheuer“, zwei traditionellen Buckelpokalen. Und damit nicht genug: Leise Renaissance-Musik und historische Hintergrundgeräusche nehmen Besucher mit auf eine authentische Reise durch die Zeit.

Sonntags wird das Museum sogar noch lebendiger: Eine Schauspielerin führt dann – als ehemalige Hausherrin des 16. Jahrhunderts, Katharina Tucher, verkleidet – durch die Flure des Schlosses und erzählt Geschichten aus vergangenen Zeiten. Bei „Schlosskinder auf Entdeckungsreise“ schlüpfen hingegen Kinder ab vier Jahren in historische Kostüme und lernen so das Leben als Schlosskind kennen. Und auch für Erwachsene gibt es abwechslungsreiche, interaktive Angebote, wie das digitale Hörspiel "Wundersame Wandlungen". Tipp: Laden Sie die App vorab im WLAN herunter – entweder noch zu Hause oder am 50 Meter entfernten Hotspot, beim Einwohnermeldeamt Nürnberg in der Hirschelgasse 32.

Im prächtigen Garten des Tuchlerschlosses wartet der Hirsvogelsaal auf die Besucher – ursprünglich ein Prunksaal im Anwesen einer weiteren Nürnberger Patrizierfamilie. Berühmt ist der 16 mal 6,6 Meter große Raum im Stil der italienischen Renaissance vor allem aufgrund seines großflächigen Deckengemäldes – bestehend aus insgesamt 20 Leinwandbildern. Der Kunsthistoriker Fritz Traugott Schulz bezeichnete den Hirsvogelsaal einst als „die schönste Schöpfung der deutschen Frührenaissance.“

Aktuelle Infos, Eintrittspreise und Öffnungszeiten finden Sie hier.

Auch gut zu wissen: Das Tucherschloss liegt auf der „Historischen Meile Nürnberg“, ein Rundweg zu allen wichtigen kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten Nürnbergs. Folgen Sie hierfür einfach den Wegweisern.

Bevor Sie weitergehen, stärken Sie sich aber in jedem Fall: Die Albrecht-Dürer-Stube ist nur 850 Meter vom Tucherschloss entfernt und serviert fränkische Spezialitäten zu angemessenen Preisen. Das Restaurant befindet sich in einem alten Fachwerkshaus aus dem Jahr 1559 und ist eines der ältesten Wirtshäuser der Stadt. Und während man auf das Essen wartet, hat man Zeit, die vielen Darstellungen Albrecht Dürers an den Wänden zu bewundern.

Anreise:

Das Tucherschloss ist zu Fuß in 17 Minuten vom Bahnhof Nürnberg zu erreichen. Verlassen Sie den Bahnhof Richtung Norden über den Bahnhofsplatz auf die Straße Königsgraben. Nach 240 Metern geht diese in die Straße Marientorgraben über. Nach 180 Metern biegen Sie links auf den Gewerbemuseumsplatz ab. Überqueren Sie diesen und biegen Sie rechts ab auf eine kleine Brücke über die Pegnitz. Gehen Sie rechts am Spielplatz vorbei und überqueren Sie die Pegnitz erneut über die Brücke Hoher Steg. Gehen Sie geradeaus, bis Sie nach etwa 200 Metern den Innerer Laufer Platz erreichen. Biegen Sie links ab in die Landauergasse und folgen Sie dieser für 100 Meter. Jetzt noch rechts auf die Hirschlergasse abbiegen und Sie finden das Tucherschloss nach wenigen Metern zu Ihrer Linken.

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