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Fünf typisch bayerische Weihnachtsbräuche!

Diese fünf Weihnachtsbräuche sind in Bayern Zuhause! Haben Sie schon einmal von Gurken am Tannenbaum gehört? Oder wissen Sie, was Adam und Eva mit einem besonders schönen bayerischen Adventsbrauch zu tun haben? Wir haben die fünf schönsten Weihnachtsbräuche in Bayern für Sie zusammengestellt.

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Komplimente für den Baum – Kurze für die Gäste

Was gibt es stimmungsvolleres an Weihnachten als der geschmückte Baum im Wohnzimmer? Dieser wurde Ende des 19. Jahrhunderts zwischen Allgäu und Donau als willkommener Aufhänger genommen, um einen schönen Brauch zu etablieren: das Christbaumloben. Es ist eine gesellige und feuchtfröhliche Tradition, die Menschen zusammenführt. Dabei wird spontan an der Tür von Nachbarn, Freunden und Bekannten geklingelt, um die dekorierte Tanne in den höchsten Tönen zu loben. Es gilt: Je kreativer der Christbaum geschmückt ist, desto öfter wird er „gelobt“. Als Belohnung gibt es meistens einen Schnaps. Zum Ursprung dieser Traditionen gibt es zwei Theorien: Außerhalb der Feiertage blieb vor allem in der Landwirtschaft wenig Zeit für soziale Kontakte, weil das ganze Jahr so hart gearbeitet wurde. In der Weihnachtszeit holte man das beim ausgiebigen Christbaumloben nach. Eine andere Theorie geht davon aus, dass es für die Allgäuer wenig Sinn macht einen Baum zu schmücken, wenn ihn danach kaum jemand zu Gesicht bekommt. Mittlerweile ist der trinkfreudige Brauch nach Franken und in die Oberpfalz übergeschwappt. Hier wird die gesellige Tradition alljährlich unter dem Namen Christbaumschauen zelebriert.

Oh Tannenbaum, oh Gurkenbaum, wie schön ist deine Deko!

Grüne Glasgurken am Weihnachtsbaum – wussten Sie, dass dieser Trend bayerische Wurzeln hat? Die bekannteste Legende rankt sich um den aus Bayern stammenden Soldaten Hans Lauer – genannt John Lower. Er geriet im Zuge des amerikanischen Bürgerkriegs in Gefangenschaft und erkrankte so schwer, dass er vor seinem vermeintlich letzten Atemzug um eine Essiggurke bat. Dieser bescheidene Wunsch wurde ihm aus Mitleid gewährt. Daraufhin erholte sich Lower innerhalb kürzester Zeit auf wundersame Weise. Aus Dankbarkeit hängte der bayerische Soldat jedes Jahr eine grüne Gurke an seinen Christbaum. Bei den Amerikanern hat sich John Lowers Gurken-Story über die Jahre hartnäckig gehalten. Seitdem schmückt die „Christmas-Pickle“ als Glücksbringer ganz selbstverständlich ihren Tannenbaum. Dabei sind sie davon überzeugt, dass dieser Brauch in Deutschland gang und gäbe ist. Tatsächlich ist die ungewöhnliche Weihnachtsdeko in den USA verbreiteter als in Deutschland.

Weniger heldenhaft ist die zweite Theorie zum bayerischen Ursprung des weihnachtlichen Gemüseschmucks: Anfang des 20. Jahrhunderts konnten sich die meisten Familien im oberfränkischen Coburg keine Geschenke für jedes ihrer Kinder leisten. Deshalb wurde eine Gurke zwischen den Tannenzweigen sorgfältig versteckt. Wer diese als erstes erspähte, bekam das Geschenk. In einigen amerikanischen Familien wird das Versteckspiel mit der Gurke heute noch zelebriert. Wer sie findet, darf zuerst sein Geschenk öffnen. In kleinen Schritten kehrt der Gurkenanhänger an seinen bayerischen Ursprung zurück. Inzwischen gibt es ihn sogar auf größeren Weihnachtsmärkten und in vielen Geschäften in Bayern zu kaufen.

Mystische Kräuterreinigung für neue Energie

Wenn das Jahr zu Ende geht, findet vorwiegend in der bayerischen Alpenregion ein althergebrachtes Ritual statt: das Räuchern. Besonders in der Landwirtschaft ist der uralte Brauch tief verwurzelt. Die zwölf Rau(c)hnächte werden zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Januar abgehalten. Davon ausgeschlossen sind die Feiertage, da der Weihnachtsfriede gewahrt werden soll. Dabei wird eine Kupferpfanne mit heißen Kohlen und getrockneten Kräutern durch alle Räume getragen. In Bayern bis Südtirol wird das Reinigungsritual zusätzlich auf dem Hof und im Stall durchgeführt. Die Legende besagt, dass die Tiere in den Rauhnächten sprechen und die Zukunft vorhersagen können.

Die besondere Energie der Rauhnächte ist inzwischen auch in der Stadt angekommen. Viele nutzen diese besondere Zeit zur inneren Ruhe und um neue Kraft zu tanken. Abhängig von der Kräuterauswahl können unterschiedliche Wirkungen erzielt werden: Johanniskraut kann bei depressiven Verstimmungen eingesetzt werden, Engelwurz für positive Raumenergien und Salbei zur Entspannung. Früher wie heute dient das Räucherritual der Befreiung von emotionalem Ballast, um mit einem klaren Geist Raum für Neues zu schaffen.

Die Erkenntnis aus dem Paradies

Diesen beliebten, dreieckigen Adventsschmuck haben Sie bestimmt schon einmal bei Freunden oder der Familie entdeckt: Die Tradition des Paradeiserls geht auf einen über 400 Jahre alten Brauch in Altbayern zurück. Die Dreieckspyramide ist ein Vorgänger des Adventskranzes und hat sogar eine längere Tradition als der Christbaum. Sie besteht aus sechs gleich langen Holzstäben, die an den Enden mit drei roten Äpfeln verbunden sind. Auf der Pyramidenspitze thront der vierte Apfel. Das altbayerisch-österreichische Brauchtum lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Der Name leitet sich ab vom „Adam-und-Eva-Tag“ am 24. Dezember, den wir als Heiligabend kennen. Ursprünglich ist das Paradeiserl ein Symbol für den Sündenfall im Paradies. Die roten Äpfel erinnern an den verbotenen Baum der Erkenntnis und die Dreiecks-Form steht für die „Dreieinigkeit“. Laut der Bibel verdanken ihr die Christen die Erlösung von Adams Sündenschuld durch Christi Geburt.

Das Paradeiserl war für fast jeden bayerischen Haushalt erschwinglich, da es sich nur um Naturmaterialien handelte. Oft wurden die Stäbe noch mit Schnitzereien, Bändern oder Tannenreisig verziert. Wer es sich leisten konnte hat in jeden Apfel noch eine Kerze gesteckt. Somit konnte sich fast jeder ein Stück vom Paradies nach Hause holen. In manchen Stuben wurde der schlichte Adventsschmuck auf einem Teller mit Plätzchen, Nüssen und Trockenobst gestellt.

Das blühende Kirschzweig-Orakel

Am Gedenktag der Heiligen Barbara am 4. Dezember ist es in Bayern Brauch, Zweige von einem Kirschbaum abzuschneiden und in eine Vase mit Wasser zu stellen. Durch die Zimmerwärme entstehen neue Knospen, die spätestens an Weihnachten in voller Blüte stehen. Getreu der überlieferten Bauernregel: „Knospen an St. Barbara, sind zum Christfest Blüten da.“ Die Barbarazweige hatten für die bayerischen Bauern in früheren Zeiten auch eine Orakel-Funktion: Aus der Anzahl der aufgegangenen Blüten schlossen sie auf die kommende Ernte. Für die ledigen Frauen standen ganz andere Fragen im Vordergrund: Sie ritzten den Namen ihres Traummannes in die Zweigrinde. Wenn die Barbarazweige erblühten wurde die Liebe erwidert und sie konnten sich auf eine bevorstehende Hochzeit freuen. Die Tradition der Kirschzweige geht auf die Gefangenschaft der Heiligen Barbara zurück. Der Legende nach hat sie ihr Vater einsperren lassen, weil sie sich weigerte einen Ungetauften zum Ehemann zu nehmen. Als sie in ihrer Zelle einen Kirschbaumzweig mit ihrem Trinkwasser benetzte, verliehen ihr die blühenden Zweige Trost und Zuversicht.